Donnerstag, 25. Februar 2010

Chemo, Zyklus1, Tag10

Mehr Nebenwirkungen! Meine Mundschleimhaut ist von der Chemo ziemlich mitgenommen, Schmerzen/Brennen beim Essen, trinken, Zähne putzen sind die Folge...
Die Chemo greift sich teilende Zellen an, die Schleimhäute regenerieren sich ständig also werden sie auch angegriffen.

Vorsicht also vor:
  • Scharfkantigem Essen - knuspriges tut weh!
  • Getränke mit Kohlensäure - tun auch weh!
  • stark gewürztem Essen, Chilli, Curry, etc. 
  • saurem Essen (vor allem Tomatensoße/-suppe!)
  • saurem Obst, Citrusfrüchten
  • heißem Essen/Trinken 
  • Alkohol (auch in Mundwasser!) 
Gut geeignet sind:
  • Salbeitee, Kamillentee
  • Mundspülen mit Salzwasser (1TL Salz auf 500ml Wasser)
  • Milch, Joghurt, etc
  • Milchspeisen, Grießbrei, etc.
  • mildes Obst - Melone, Pfirsich, etc.
  • Kompott
  • Püree
  • milde Säfte (nicht Apfel, Orange)

p.s. Unsere Nintendo Wii ist endlich "gehackt" - yay!

Mittwoch, 24. Februar 2010

Chemo, Zyklus1, Tag7-9

Tag9 (Dienstag) - Schule

Ich nehme natürlich weiterhin mein Prednisolon, außerdem jetzt noch 3-4 mal täglich eine Mundspülung (Ampho-Moronal) für die angegriffene Schleimhaut und ein Antibiotikum (Levofloxacin), weil mein Immunsystem stark angeknackst ist.
Um meine Ausbildung zum Logopäden nicht ganz aus den Augen zu verlieren, bin ich gestern mal wieder zur Schule gegangen - schrecklich anstrengend, früh aufstehen, Bus fahren, konzentrieren im Unterricht... aber auch sehr gut nach dem ganzen Trubel in den letzten Wochen mal sowas wie Alltag zu haben, Ablenkung, es geht mal überhaupt nicht um die Krankheit. Wenn ich kann, werde ich weiter so regelmäßig wie möglich zur Schule gehen - wenn ich nicht kann, bleibe ich zuhause.
Ich muss natürlich auch vorsichtig sein, mich keinem zu großen Ansteckungsrisiko auszusetzen - die ganzen Kinder, die in der Schule ihre Förderung und Therapie bekommen, sind ja geradezu brandgefährlich! Bis unter die Hutschnur vollgestopft mit aggressiven Keimen, mit denen man als normaler, alter Mensch überhaupt nicht mehr in Berührung kommt.


Tag8 (Montag) - Chemo und gute Nachrichten!

BEACOPP (eskaliert)
  • Vincristin 2mg
  • Bleomycin 10mg/m²
  • Indometacin
Die Infusionen habe ich verschlafen, in der Sprechstunde danach hat meine Ärztin versucht den Tumor in der Halsgegend zu ertasten (wo er vor der Chemo noch 2-3cm gut fühlbar war), aber da war gar nichts mehr. Große Überraschung und Freude auf beiden Seiten - bei mir und der Ärztin, Tumor wurde nicht gefragt.
Knochenmark ist nicht befallen - Heureka! So kann's weitergehen.
Abends noch eine Spritze (Neupogen) unter die Haut gesetzt, um die Blutbildung nach den ganzen aggressiven Zytostatika der letzten Woche wieder anzuregen. Nachdem meine Freundin sich dazu nicht überwinden konnte, hab ich das selber gemacht - keine Angst, tut (wirklich) nicht weh!

Tag7 (Sonntag) - nichts spannendes, abends zu viel gegessen.

Samstag, 20. Februar 2010

Chemo, Zyklus1, Tag4-6

BEACOPP (eskaliert)
  • Natulan (Procarbacin) 100mg/m²
  • Decortin (Prednisolon) 40mg/m²
Ab Donnerstag musste ich nur noch Tabletten nehmen, das Natulan verursacht bei mir zwar eine ständige, ganz leichte Übelkeit, aber wirklich so minimal, dass ich mir davon weder Stimmung, noch Appetit verderben lasse. Außerdem bin ich seit ein paar Tagen etwas heiser, was wohl damit zu tun haben kann, dass die Schleimhäute ebenfalls unter der Chemo leiden.

Donnerstag abends haben wir uns mit ein paar Freunden getroffen, zum gemeinsamen Abendessen und der Planung des Kinoprogramms für den März.
Zu Essen gab es Soljanka, die mir sehr gut geschmeckt, und Schweißausbrüche beschert hat - später habe ich dann im Internet gelesen, dass Procarbacin und Salami (und viele andere Lebensmittel, Link klicken und unter "Interaktionen" nachlesen) nicht gut zusammenwirken und zu "Bluthochdruckkrisen" führen können. Anschließend haben wir meinen Schwager, seine Frau und ihr erstes Kind besucht, eine Spieluhr überreicht und bis 0:30h Karten gespielt ("...bis ich noch eine Runde gewonnen habe!").
Freitags wurde in Ruhe eingekauft, gekocht (leckere Sahnesoße, Speck ansetzen für die Chemo - wenn ich weiter so wenig Nebenwirkungen habe, wird das nichts mit der Strandfigur!), nachmittags haben wir meinen alten Nachbarn mog aus dem Studentenwohnheim und seine Freundin in ihrer neuen (sehr schicken) Wohnung besucht. Muffins gegessen, Pizza gegessen, Eis gegessen, Wii gespielt, über Resident Evil 4 gegruselt ... sehr lustiger Abend!
Heute abend gehen wir essen, 4-jähriges Jubiläum feiern! Tisch ist schon reserviert.

p.s. die graue Perücke hat mir den Spitznamen "George Clooney" eingebracht, was ich sehr passend fand!

Chemo, Zyklus1, Tag2-3

BEACOPP (eskaliert)

  • Etoposid 200mg/m²
  • Natulan (Procarbazin) 100mg/m²
  • Prednisolon 40mg/m²
  • Kevatril
Die sehr freundlichen und charmanten Schwestern in der Tagesklinik hatten mir freigestellt, ob ich mir wieder gleich morgens, oder erst mittags meine nächsten Infusionen abhole, also habe ich entschieden mich nach dem morgendlichen Natulan-Weckruf um 6:00h nochmal umzudrehen und auszuschlafen. Sonst wäre ich nach 6-7 Stunden Schlaf völlig ausgeschlafen, aber zur Zeit kann ich auch gut 10 oder mehr Stunden schlafen.
Nach einem kleinen Frühstück und der 12:00h-Natulan ging es dann also ins Krankenhaus, die Nadel wurde gelegt und das Kevatril (gegen die Übelkeit, Wirkstoff Granisetron, Antiemetikum) tröpfelte mir in die Vene. Als das Etoposid angeschlossen wurde, hatte ich wieder einen etwas ekligen, chemischen Geschmack im Mund, der aber schnell wieder verschwunden war (und mit Kaugummi auch kaum auffiel) und nach ca. 90 Minuten war ich fertig und konnte wieder nach hause.
Auf dem Heimweg haben wir noch Döner, bzw. Burger gekauft (schnell noch was essen, bevor die Übelkeit wieder einsetzt) und den Rest des Tages habe ich mit relativ leichten Nebenwirkungen verbracht - eine ganz leichte Übelkeit kam dann doch noch irgendwann und ich fühlte mich immer etwas matt und unmotiviert. Mittwoch abend konnte ich mich aber noch zu einem kurzen Spaziergang im Wald vor unserer Haustür aufraffen - eine gute Idee, war zwar schrecklich anstrengend, aber die Bewegung tut gut.

p.s. ich teste zur Zeit sämtliche Faschingsperücken von meiner Freundin.

Dienstag, 16. Februar 2010

Chemo, Zyklus1, Tag1

BEACOPP (eskaliert)
  • Cyclophosphamid 1250mg/m²
  • Doxorubicin 35mg/m²
  • Etoposid 200mg/m²
  • Natulan 100mg/m²
  • Prednisolon 40mg/m²
  • Uromitexan
  • Kevatril
(Die Dosierung ist auf die Körperoberfläche in m² bezogen)
Los ging's früh um 9:00h, gegen 14:00h war ich mit der letzten Infusion fertig. Direkt nach der letzten Infusion fühlte ich mich etwas langsam, wie nach einer durchfeierten Nacht nur ohne Übelkeit und Kopfschmerzen. Zwei Stunden später war ich innerhalb von Minuten total breit und müde, gegen 17:30h bin ich eingeschlafen, um 18:30h wieder aufgewacht, weil das Telefon geklingelt hat... anfangs leichte Kopfschmerzen und eine sehr leichte Übelkeit wurden immer stärker, bis ich um 21:00h alles wieder rausgekotzt habe, was ich im Laufe des Tages gegessen habe. Um 22:00h, 2:00h und 6:00h klingelte jeweils der Wecker, um mich an meine Natulan-Kapseln zu erinnern.
Davon abgesehen habe ich gut geschlafen und fühle mich jetzt gesund und munter, in 2 Stunden geht's ins Krankenhaus, um mir die nächste Infusion abzuholen - heute gibts nur eine, da wird hoffentlich die Übelkeit nicht ganz so krass.

Montag, 15. Februar 2010

Endlich mal 'ne Frisur!

Damit der Schritt zur Glatze nicht mehr ganz so groß ist, wollte ich noch vor Beginn der Chemo von meinen lange gehüteten langen Haaren Abschied nehmen. Meine Freundin meinte, sie würde sich wohl kaum überwinden können, mir die Haare zu schneiden, also haben wir eine gemeinsame Freundin um diesen Gefallen gebeten.
Mit Schere und Rasierapparat bewaffnet tauchte sie auf und dann ging es ans Werk - wider erwarten haben wir viel gelacht. Unter anderem konnten wir nachweisen, dass der sogenannte "Topfschnitt" tatsächlich mit Hilfe eines Kochtopfes erreicht werden kann (siehe oben), einen Irokesen á la Beckham und einen Bob (die Trendfrisur 2010!!!) hatte ich zwischendurch auch kurz, aber nach langem zippeln und zuppeln war schließlich ein äußerst zufriedenstellendes Ergebnis erreicht.

Nach 13 Jahren trägt der olle Chaot endlich mal ne anständige Frisur!

Samstag, 13. Februar 2010

rette sich wer kann...

Weil im Rahmen der Chemo meine Zeugungsfähigkeit arg in Mittleidenschaft gezogen wird, hat mir meine Ärztin empfohlen, mein edles Erbgut mittels Kryokonservierung zu retten.
Also bin ich gestern gut gelaunt 180km gefahren um in angenehmem Ambiente (siehe rechts) "zur Tat zu schreiten", wie es die Schwester ausgedrückt hat. Der patente Professor meinte zwar, dass die peinliche Prozedur in den meisten Fällen überflüssig ist - die Spermienproduktion regeneriert sich meistens innerhalb von einem halben Jahr so weit, dass das eingefrorene Ejakulat weggeworfen werden kann, aber so bin ich auf der sicheren Seite.
Der Spass kostet mich vorraussichtlich ca. 400€ (300€ + 19% Steuern + 15€ für jede weitere eingefrorene Probe - wird leider nicht von der Krankenkasse übernommen), aber es ist ja für einen guten Zweck.

...sehr schön, ein Blog-Eintrag direkt aus den tiefsten Tiefen der Alliterations-Hölle, wo man sonst nur BILD-Schreiberlinge ("Porno-Papst prügelt pädophilen Priester"), oder Inka Bause ("der zwielichte Ziegenhirte Zarathustra und die dralle Dresdnerin Dragana...") antrifft.