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Montag, 19. April 2010

Chemo, Zyklus3, Woche 3-4

Heute (Montag) ging es mir unglaublich gut, obwohl ich "schon" um 8:30h aufgewacht bin! Nach dem Frühstück bin ich zum Krankenhaus gefahren, um mir bestätigen zu lassen, dass ich wirklich krank bin (Weil ich einen Antrag auf Unterstützung von der deutschen Krebshilfe stellen will, muss ich logischerweise nachweisen, dass ich Krebs habe). Beim Sozialdienst der Klinik ist mir dann aufgefallen, dass die Zettel, die ich ein paar Tage vorher eingepackt habe, keine Nachweise über meine Einkünfte und Ausgaben, sondern nur irgendwelche Briefe aus meinem Aktenordner waren. Peinlich... wer weiß, was ich mir beim Einpacken gedacht habe, offensichtlich nicht besonders viel.

Nach meinem letzten Eintrag habe ich mit meiner Freundin auf Einladung von meinem Onkel ein luxuriöses Wochenende in München verbracht. Gutes Essen, die Familie treffen, Übernachtung im 5*-Superior Hotel ...
Eine willkommene Ablenkung, bevor es am 12.04.2010 die nächste Dosis ABVD gab. Erst wurde aber noch ein Herz-Echo gemacht, Doxorubicin ("Red Death") bricht gelegentlich Herzen und weil ich dicke Beine und hohen Blutdruck hatte, wollte meine Ärztin sichergehen, dass mein Herz noch nicht gebrochen ist.
Das Herz-Echo wird übrigens im Allgemeinen nicht durch die Speiseröhre gemacht, sondern anscheinend nur, wenn auf dem "von außen" gemachten Herz-Ultraschall irgendwas verdächtig scheint... ich hatte mir schon Sorgen gemacht.
Der Kardiologe hat mir übrigens Komplimente für mein "schönes Herz" und meine schlanke Gestalt gemacht - nach seiner Aussage haben seine Patienten sonst mindestens 20kg Übergewicht. Na da ging's mir aber gut!

Die Tage nach der Chemo waren unschön, Übelkeit und Kopfschmerzen haben sich etwas länger gehalten als letztes Mal. Samstag ging es wieder gut, abends wurde gegrillt und Sonntag haben wir mit den Nichten und Neffen (3, 8 und 8 Jahre) von meiner Freundin Drachen steigen lassen.

Mittwoch, 7. April 2010

Chemo, Zyklus3, Woche1-2

Am 29.03.2010 ging es los, mal was neues, was ausgeflipptes probieren... Früh morgens im Krankenhaus angekommen, wurde ich erstmal zum EKG geschickt - habe ich zwar erst vor fünf Tagen gemacht, macht mir aber nix, beim EKG lieg ich sowieso nur rum. Außerdem habe ich gehofft, wieder einen Bonbon von der gut gelaunten Schwester vom letzten Mal zu bekommen... aber weit gefehlt, eine ruppige ältere Dame hat mich wortlos abgefertigt, da war ich ganz froh, wieder bei meinen gut gelaunten Schwestern in der Ambulanz zu landen.

Die nächsten Zyklen werden mit ABVD durchgeführt, eine neue Chemo mit teilweise anderen Präparaten, laut einer Schwester wird ABVD nicht besonders gut vertragen, "Spuck und Sprudel werden Ihre besten Freunde sein" wurde mir gesagt. Derart motiviert ging es los, ein leuchtend rotes und ein lichtempfindliches Präparat in Schutzhülle waren die Highlights, die meiste Zeit habe ich wieder geschlafen.
Das leuchtend rote Präparat ist Doxorubicin (wird als Adriamycin verkauft), trägt den Beinamen "Red Devil" oder "Red Death" und kostet ca. $1,1mio  pro kg.
Entgegen der Ankündigungen habe ich in den 9 Tagen seit der Chemo diverse Nebenwirkungen gehabt, aber Erbrechen und Durchfall waren nicht dabei. Nebenwirkungen waren bei mir: Übelkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Antriebslosigkeit, dicke Beine, taube Lippen, Schmerzen in den Armbeugen.

Samstag, 27. März 2010

Chemo, Zyklus2, Woche3

Freitag - Auswertung
2 Stunden im Wartezimmer haben sich gelohnt, zum einen habe ich die nette Lokalpolitikern wiedergetroffen, die aus langer Krebs-Erfahrung viele gute Tipps hat und trotz ihrer unerfreulichen Krankengeschichte immer gut gelaunt und optimistisch wirkt. Zum anderen gab es gute Neuigkeiten von meiner Frau Doktor: Organe gesund, Blutwerte gut, Lymphknoten im Hals sind wieder auf Normalgröße geschrumpft, mein Tumor ist auf ca. 3x5cm geschrumpft und hat damit nur noch einen Bruchteil seiner maximalen Größe.
Ab Montag geht es für mich dann mit 4 Zyklen ABVD weiter, das soll ja etwas besser verträglich sein als BEACOPP, außerdem sind es wesentlich weniger Behandlungstage! Am 05.07.2010 gibt's die letzte ABVD-Infusion, danach kommt das nächste Restaging (Kontrolluntersuchung), das sind nur noch etwas mehr als 14 Wochen! Easy...
Das wurde angemessen gefeiert, ein Abend mit zwei charmanten Damen, Kuchen, fettigem Essen von Burger King und Gedaddel auf der Wii.

Mittwoch - Restaging (Kontrolluntersuchung)
Großartiger Tag. Ich sollte mit nüchternem Magen früh morgens zum Restaging erscheinen. Das heißt: jede Menge Untersuchungen, um festzustellen, wie weiter therapiert wird und wie erfolgreich die Therapie bisher war. Also bin ich morgens, völlig benommen und mit Kreislauf auf Tiefschlaf-Niveau im Krankenhaus aufgelaufen und beim rumsitzen prompt bewusstlos geworden. Die lieben Schwestern haben aus dem Nichts ein Bett mit Rollen, zwei charmante Ärztinnen hergezaubert und mir einen Liter NaCL-Lösung in die Vene laufen lassen. Währenddessen habe ich mich mit einer fröhlichen Lokalpolitikerin über Essen unterhalten, danach ging's mir wieder gut.
Es folgte ausziehen, Ultraschall von Hals bis Becken, anziehen, ausziehen, Abhören, Abklopfen, anziehen, Interview, Blut abnehmen, Urinprobe, 1l ekelhaftes, stinkendes, klebriges Kontrastmittel trinken, ausziehen, CT, anziehen, ausziehen, Röntgen, anziehen, ausziehen, EKG, anziehen, nach hause gehen, schlafen. Die Dame beim EKG hat mir ein Bonbon geschenkt, damit ich wenigstens noch ein Frühstück bekommen habe.

Freitag, 19. März 2010

Chemo, Zyklus2, Woche1-2

Der zweite Zyklus läuft - alles beim Alten. Den ersten Tag habe ich mit Kopfschmerzen, Übelkeit, stumpfem Rumdämmern, Kotzen und ab und zu einer Tablette aus meinem reichhaltigen Sammelsurium verbracht. Die Laune war komischerweise trotzdem ganz gut - wahrscheinlich hilft es, wenn man weiß, dass es nur einen Tag so schlecht geht.
Die restlichen Tage der ersten Woche waren erträglich, aber ich merke jeden Tag stärker, wie ich körperlich abbaue. Alles was ich mache ist schrecklich anstrengend, ich hab ständig schwere Beine und Muskelkater, obwohl ich die meiste Zeit sitze oder liege. Wenn ich die paar Stufen aus dem ersten Stock runtergegangen bin, muss ich kurz verschnaufen und so langsam gewöhne ich mir ein langsames Lauftempo an, damit ich nicht nach zehn Schritten Herzrasen und Luftnot habe (man wird alt).
Am Dienstag der zweiten Woche (16. März) hatte ich den tollkühnen Plan, zur Schule zu gehen, der Wecker war gestellt, früh eingeschlafen bin ich auch und als der Wecker dann morgens geklingelt hat, war ich auch wach und motiviert (gute Vorzeichen). Also Geduscht, Glatze rasiert, Frühstück gemacht, Proviant eingepackt, einen Brief an die Krankenkasse ausgedruckt... und erstmal wieder erschöpft ins Bett gefallen und noch zwei Stunden geschlafen.
Um 10:00h war ich dann tatsächlich in der Schule, habe eine Unterrichtseinheit ganz gut überstanden, nachmittags noch eine Therapie von meiner Therapeutengruppe angeschaut und zwischendurch in der Apotheke Spritzen und Antibiotika abgeholt. Die Zeit mit meinen Leuten war toll, ich hatte viel Spass mit den ganzen lieben Menschen in der Schule und es tut wirklich gut, ab und zu rauszukommen, aber abends habe ich gemerkt, dass es viel zu viel Anstrengung war.
Mittwoch habe ich nur im Bett gelegen, antriebslos Musik gehört, Donnerstag hatte ich ein-zwei aktive Phasen, die ich genutzt habe um das Bad zu putzen und heute (Freitag) fühle ich mich wieder halbwegs erholt von dem strapaziösen Dienstag! Grad läuft Lynyrd Skynyrd, die Laune ist bestens und vielleicht setz ich mich gleich mit einem Buch (Anette Fox - Kindliche Aussprachestörungen) in den Park hier um die Ecke.

Sonntag, 7. März 2010

Chemo, Zyklus1, Tag18-21

Tag21 (Sonntag) - GLATZE!!!

Morgens habe ich mir von der Freundin den Hinterkopf rasieren lassen - damit der alte Schädel endlich wieder einen einheitlichen Look hat. Den Tag hab ich mit Mütze, Schal und Decke auf dem Sofa verbracht, damit der Schnupfen bis Morgen zur Chemo etwas nachlässt.
Keine Schmerzen, nur Schnupfen und Müdigkeit.
Morgen früh geht's zur Chemo, nachmittags werde ich völlig breit rumliegen und abends werde ich wieder kotzend im Bad hängen... na wenn das kein Grund zur Vorfreude ist.

Tag19-20 (Freitag, Samstag) - Besuch aus der Heimat

Mein großer Bruder und meine Schwester haben mich besucht, die Nadl war auch nur ein paar Stunden da, die meiste Zeit haben wir Rayman Raving Rabbids TV-Party gespielt - anstrengend, aber lustig!
Samstag haben wir noch einen kurzen Ausflug zu den Greifensteinen im Erzgebirge gemacht. Die Stufen auf die Aussichtsplattform habe ich mit Müh' und Not geschafft, und lang sind wir nicht draußen geblieben, weil es kalt und windig war - trotzdem gut, mal wieder ein bisschen raus zu kommen. Auf dem Rückweg haben wir einen kurzen Stopp bei der Familie von meiner Freundin gemacht, Kuchen essen und die kleinen Nichten und Neffen mit meiner neuen Frisur erschrecken - gute Sache!

Tag18 (Donnerstag) - ...müde

Geschlafen... Ich habe mir eine ziemlich heftige Erkältung eingefangen, die ich bis Montag zur nächsten Runde der Chemo wieder loswerden muss - deswegen musste ich die letzten Tage zuhause verbringen. Zum Glück hatte ich noch eine Simpsons-Staffel auf DVD, die ich noch nicht gesehen habe - das hat mich ein paar Stunden beschäftigt.

Mittwoch, 3. März 2010

Chemo, Zyklus1, Tag16-17

Tag17 (Mittwoch) - Rumhängen und Rest-Haare raufen

Keine Schmerzen mehr, dafür fühl ich mich nach wie vor sehr zittrig. Beim Duschen heute morgen war das Wasser voll mit Haaren, der Blick in den Spiegel danach zeigte das ganze Ausmaß des Verfalls - ich seh aus wie ein halb-gerupftes Huhn (wie gut, dass ich schon eine neue Mütze habe!).
Nachdem mir eine Hodgkin-Überlebende erzählt hat, dass sie während der Chemo auch ständig nur Hunger hatte und jede Menge zugenommen hat, habe ich erstmal aufgehört, nur mit Butter und Sahne zu kochen. Heute gab's Gemüse und Reis, mit Kokosmilch und Zitrone, etwas indisch gewürzt - macht garantiert kein Sodbrennen.

Tag16 (Dienstag) - Bluttest und Lymphomsch(m)erz

Nach dem anstrengenden Tag gestern mit Schule UND Mütze kaufen, bin ich morgens kaum aus dem Bett gekommen. Um 8:30h war ich im Krankenhaus, bin im Wartezimmer ständig eingeschlafen und bei jedem Schritt hab ich mich gefühlt, als hätte ich am ganzen Körper Muskelkater - einfach nur ein paar Schritte zu laufen war gestern anstrengender, als vor einem halben Jahr mit 20kg Gepäck 10 Stunden durch die schottischen Highlands zu wandern.
Mittags musste ich ein zweites Mal ins Krankenhaus zur Auswertung des Bluttests, alles im grünen Bereich, ziemlich niedriger Hämoglobin-Wert, was auch die Müdigkeit erklärt. Dann gabs noch die Einladung, am nächsten Montag einen zweiten Zyklus BEACOPP eskaliert zu vernaschen, was ich natürlich gerne angenommen habe. Den Rest vom Tag habe ich mich an Lymphomschmerzen erfreut (ständiges Ziehen und Stechen hinter dem Brustbein), ist zwar unangenehm, laut meiner Onkologin aber ein gutes Zeichen - der Tumor (die Sau) wird angegriffen!

Montag, 1. März 2010

Chemo, Zyklus1, Tag15

Es geht los, heute in der Schule rieselten plötzlich die Haare auf's Papier... obwohl ich wusste, dass das passiert, war ich im ersten Moment etwas erschrocken - jetzt ist es quasi offensichtlich und nicht mehr zu leugnen, dass ich krank bin.

Nach der Schule wurde noch eine neue Mütze gekauft - die alte flog hier seit Jahren ungenutzt rum und fing jetzt bei der ungewohnten Belastung an, sich aufzulösen. Es ist gar nicht so einfach, im März noch eine halbwegs tragbare Mütze zu finden, aber ich bin ganz zufrieden!
Gerade habe ich dann noch angefangen, mir den Kopf zu rasieren, war aber eine Schnapsidee - mit einem Einwegrasierer ist mir das zu mühsam. Jetzt seh ich halt etwas unfertig auf dem Kopf aus (sieht aber keiner, wegen der neuen Mütze).

p.s. Hab schlimmes Sodbrennen, weil ich von dem Cortison ständig Heißhunger habe (mal abgesehen davon, dass ich sowieso schon immer gerne viel gegessen habe)... hat jemand gute Tipps gegen Sodbrennen?

Samstag, 27. Februar 2010

Chemo, Zyklus1, Tag11-13

Tag13 (Samstag)
Freundin musste um 5:00h aus dem Haus, kurz danach setzen die angekündigten Knochenschmerzen (Nebenwirkung der Neupogen) ein. Still liegen ist am besten, dann merkt man fast nichts davon und bis zum Mittag waren die Schmerzen fast wieder verschwunden.

Tag12 (Freitag)
Aufgewacht, schwach, müde, etc. - Ohrenschmerzen sind immernoch da. Zu hause geblieben, geschlafen, Resident Evil 4 auf der WII gespielt (früher waren Shooter auf der Konsole ein Krampf, mit der WII-Steuerung kommt wirklich gutes Lightgun-Feeling auf!).
Nachmittags Pfannkuchen mit Pilzrahmsauce gemacht, mit Sahne, Butter, Käse und noch etwas Butter - den restlichen Pfannkuchenteig mit Orangenschokolade gemischt, einen passenden Nachtisch mit viel Kalorien bei geringem Aufwand.
Abends die letzte Neupogen-Spritze selber gesetzt, weil die Freundin schon eingeschlafen war.

Tag11 (Donnerstag)
Aufgewacht, schwach, müde, zittrig, Mund tut weh, Ohrenschmerzen, Laune ist schlecht. Tabletten genommen, Laune ist immer noch schlecht. Auf 12:30h in die Schule gefahren, Klausur geschrieben - lief ganz gut, Laune ist besser, wieder nach hause gefahren. Komischerweise war ich trotz schlechter Vorbereitung vor der Klausur kein bisschen aufgeregt und hinterher vollauf zufrieden mit dem, was ich geschrieben habe... da verschieben sich durch den Krebs anscheinend gerade meine Prioritäten, bzw. bin ich nicht mehr gewillt, mich über "Nebensächlichkeiten" aufzuregen.
Ich benutze jetzt mehrmals täglich Ampho-Moronal und bilde mir ein, dass sich mein Mund damit besser anfühlt.
Ich hoffe mal, dass ich mir keine Mittelohrentzündung geholt habe, im Unterricht saß ich die letzten zwei Tage ohne Mütze und auch nachts habe ich Mütze und Schal nicht getragen, vielleicht war das etwas riskant.
Nachmittags habe ich Grießbrei gekocht und mich etwas geärgert, dass ich bisher für 0,69€ die unglaublich leckeren Grießtöpfli von Emmi gekauft habe, wenn ich für ein paar cent in 10Minuten einen fast genauso leckeren Grießbrei in rauhen Mengen selber herstellen kann. Dazu Pfirsiche aus der Dose, lecker, "weich" und sehr angenehm bei kaputter Schleimhaut.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Chemo, Zyklus1, Tag10

Mehr Nebenwirkungen! Meine Mundschleimhaut ist von der Chemo ziemlich mitgenommen, Schmerzen/Brennen beim Essen, trinken, Zähne putzen sind die Folge...
Die Chemo greift sich teilende Zellen an, die Schleimhäute regenerieren sich ständig also werden sie auch angegriffen.

Vorsicht also vor:
  • Scharfkantigem Essen - knuspriges tut weh!
  • Getränke mit Kohlensäure - tun auch weh!
  • stark gewürztem Essen, Chilli, Curry, etc. 
  • saurem Essen (vor allem Tomatensoße/-suppe!)
  • saurem Obst, Citrusfrüchten
  • heißem Essen/Trinken 
  • Alkohol (auch in Mundwasser!) 
Gut geeignet sind:
  • Salbeitee, Kamillentee
  • Mundspülen mit Salzwasser (1TL Salz auf 500ml Wasser)
  • Milch, Joghurt, etc
  • Milchspeisen, Grießbrei, etc.
  • mildes Obst - Melone, Pfirsich, etc.
  • Kompott
  • Püree
  • milde Säfte (nicht Apfel, Orange)

p.s. Unsere Nintendo Wii ist endlich "gehackt" - yay!

Mittwoch, 24. Februar 2010

Chemo, Zyklus1, Tag7-9

Tag9 (Dienstag) - Schule

Ich nehme natürlich weiterhin mein Prednisolon, außerdem jetzt noch 3-4 mal täglich eine Mundspülung (Ampho-Moronal) für die angegriffene Schleimhaut und ein Antibiotikum (Levofloxacin), weil mein Immunsystem stark angeknackst ist.
Um meine Ausbildung zum Logopäden nicht ganz aus den Augen zu verlieren, bin ich gestern mal wieder zur Schule gegangen - schrecklich anstrengend, früh aufstehen, Bus fahren, konzentrieren im Unterricht... aber auch sehr gut nach dem ganzen Trubel in den letzten Wochen mal sowas wie Alltag zu haben, Ablenkung, es geht mal überhaupt nicht um die Krankheit. Wenn ich kann, werde ich weiter so regelmäßig wie möglich zur Schule gehen - wenn ich nicht kann, bleibe ich zuhause.
Ich muss natürlich auch vorsichtig sein, mich keinem zu großen Ansteckungsrisiko auszusetzen - die ganzen Kinder, die in der Schule ihre Förderung und Therapie bekommen, sind ja geradezu brandgefährlich! Bis unter die Hutschnur vollgestopft mit aggressiven Keimen, mit denen man als normaler, alter Mensch überhaupt nicht mehr in Berührung kommt.


Tag8 (Montag) - Chemo und gute Nachrichten!

BEACOPP (eskaliert)
  • Vincristin 2mg
  • Bleomycin 10mg/m²
  • Indometacin
Die Infusionen habe ich verschlafen, in der Sprechstunde danach hat meine Ärztin versucht den Tumor in der Halsgegend zu ertasten (wo er vor der Chemo noch 2-3cm gut fühlbar war), aber da war gar nichts mehr. Große Überraschung und Freude auf beiden Seiten - bei mir und der Ärztin, Tumor wurde nicht gefragt.
Knochenmark ist nicht befallen - Heureka! So kann's weitergehen.
Abends noch eine Spritze (Neupogen) unter die Haut gesetzt, um die Blutbildung nach den ganzen aggressiven Zytostatika der letzten Woche wieder anzuregen. Nachdem meine Freundin sich dazu nicht überwinden konnte, hab ich das selber gemacht - keine Angst, tut (wirklich) nicht weh!

Tag7 (Sonntag) - nichts spannendes, abends zu viel gegessen.

Samstag, 20. Februar 2010

Chemo, Zyklus1, Tag4-6

BEACOPP (eskaliert)
  • Natulan (Procarbacin) 100mg/m²
  • Decortin (Prednisolon) 40mg/m²
Ab Donnerstag musste ich nur noch Tabletten nehmen, das Natulan verursacht bei mir zwar eine ständige, ganz leichte Übelkeit, aber wirklich so minimal, dass ich mir davon weder Stimmung, noch Appetit verderben lasse. Außerdem bin ich seit ein paar Tagen etwas heiser, was wohl damit zu tun haben kann, dass die Schleimhäute ebenfalls unter der Chemo leiden.

Donnerstag abends haben wir uns mit ein paar Freunden getroffen, zum gemeinsamen Abendessen und der Planung des Kinoprogramms für den März.
Zu Essen gab es Soljanka, die mir sehr gut geschmeckt, und Schweißausbrüche beschert hat - später habe ich dann im Internet gelesen, dass Procarbacin und Salami (und viele andere Lebensmittel, Link klicken und unter "Interaktionen" nachlesen) nicht gut zusammenwirken und zu "Bluthochdruckkrisen" führen können. Anschließend haben wir meinen Schwager, seine Frau und ihr erstes Kind besucht, eine Spieluhr überreicht und bis 0:30h Karten gespielt ("...bis ich noch eine Runde gewonnen habe!").
Freitags wurde in Ruhe eingekauft, gekocht (leckere Sahnesoße, Speck ansetzen für die Chemo - wenn ich weiter so wenig Nebenwirkungen habe, wird das nichts mit der Strandfigur!), nachmittags haben wir meinen alten Nachbarn mog aus dem Studentenwohnheim und seine Freundin in ihrer neuen (sehr schicken) Wohnung besucht. Muffins gegessen, Pizza gegessen, Eis gegessen, Wii gespielt, über Resident Evil 4 gegruselt ... sehr lustiger Abend!
Heute abend gehen wir essen, 4-jähriges Jubiläum feiern! Tisch ist schon reserviert.

p.s. die graue Perücke hat mir den Spitznamen "George Clooney" eingebracht, was ich sehr passend fand!

Chemo, Zyklus1, Tag2-3

BEACOPP (eskaliert)

  • Etoposid 200mg/m²
  • Natulan (Procarbazin) 100mg/m²
  • Prednisolon 40mg/m²
  • Kevatril
Die sehr freundlichen und charmanten Schwestern in der Tagesklinik hatten mir freigestellt, ob ich mir wieder gleich morgens, oder erst mittags meine nächsten Infusionen abhole, also habe ich entschieden mich nach dem morgendlichen Natulan-Weckruf um 6:00h nochmal umzudrehen und auszuschlafen. Sonst wäre ich nach 6-7 Stunden Schlaf völlig ausgeschlafen, aber zur Zeit kann ich auch gut 10 oder mehr Stunden schlafen.
Nach einem kleinen Frühstück und der 12:00h-Natulan ging es dann also ins Krankenhaus, die Nadel wurde gelegt und das Kevatril (gegen die Übelkeit, Wirkstoff Granisetron, Antiemetikum) tröpfelte mir in die Vene. Als das Etoposid angeschlossen wurde, hatte ich wieder einen etwas ekligen, chemischen Geschmack im Mund, der aber schnell wieder verschwunden war (und mit Kaugummi auch kaum auffiel) und nach ca. 90 Minuten war ich fertig und konnte wieder nach hause.
Auf dem Heimweg haben wir noch Döner, bzw. Burger gekauft (schnell noch was essen, bevor die Übelkeit wieder einsetzt) und den Rest des Tages habe ich mit relativ leichten Nebenwirkungen verbracht - eine ganz leichte Übelkeit kam dann doch noch irgendwann und ich fühlte mich immer etwas matt und unmotiviert. Mittwoch abend konnte ich mich aber noch zu einem kurzen Spaziergang im Wald vor unserer Haustür aufraffen - eine gute Idee, war zwar schrecklich anstrengend, aber die Bewegung tut gut.

p.s. ich teste zur Zeit sämtliche Faschingsperücken von meiner Freundin.

Dienstag, 16. Februar 2010

Chemo, Zyklus1, Tag1

BEACOPP (eskaliert)
  • Cyclophosphamid 1250mg/m²
  • Doxorubicin 35mg/m²
  • Etoposid 200mg/m²
  • Natulan 100mg/m²
  • Prednisolon 40mg/m²
  • Uromitexan
  • Kevatril
(Die Dosierung ist auf die Körperoberfläche in m² bezogen)
Los ging's früh um 9:00h, gegen 14:00h war ich mit der letzten Infusion fertig. Direkt nach der letzten Infusion fühlte ich mich etwas langsam, wie nach einer durchfeierten Nacht nur ohne Übelkeit und Kopfschmerzen. Zwei Stunden später war ich innerhalb von Minuten total breit und müde, gegen 17:30h bin ich eingeschlafen, um 18:30h wieder aufgewacht, weil das Telefon geklingelt hat... anfangs leichte Kopfschmerzen und eine sehr leichte Übelkeit wurden immer stärker, bis ich um 21:00h alles wieder rausgekotzt habe, was ich im Laufe des Tages gegessen habe. Um 22:00h, 2:00h und 6:00h klingelte jeweils der Wecker, um mich an meine Natulan-Kapseln zu erinnern.
Davon abgesehen habe ich gut geschlafen und fühle mich jetzt gesund und munter, in 2 Stunden geht's ins Krankenhaus, um mir die nächste Infusion abzuholen - heute gibts nur eine, da wird hoffentlich die Übelkeit nicht ganz so krass.